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Ein Forscherleben

Das möchte ich mal werden (wenn ich groß bin):

Puh, was für ein Schreibimpuls! Ich bin das erste mal bei Anna Koschinski in der Blognacht (Nr. 64) dabei. Noch ganz euphorisch, weil ich viele bekannte Menschen getroffen habe, stehe ich jetzt vor diesem Impuls der mich anblinkt. Ihr wisst schon: Wie das Blinken, wenn sich eine Seite aufbaut oder wie der Cursor auf einer leeren Seite. Mhmm.

Als erstes kommt mir in den Kopf, daß ich das mit dem groß werden aufgeben habe. Kein Regen, kein Essen, kein Düngen hat mich über die 150 cm gebracht. Ich bleibe ein abgebrochener Riese! Wenn ich dann doch mal groß werden sollte, dann genieße ich es, anderen im Supermarkt die Dinge von oben aus dem Regal zu reichen oder von hinten aus der Tiefkühltruhe. Dann kann ich alle Fenster und Plissee Rollos auf der Arbeit eigenständig öffnen und schließen. Ich kann den Dampfkochtopf ohne Tritt aus dem Schrank holen und meiner besseren Hälfte auf Augenhöhe begegnen, ohne eine Stufe zu benötigen. Ach: Und ich fahre jedes Auto ohne mir Gedanken zu machen, ob ich an die Pedale komme.

Oh, ich glaube dann bekäme ich einen Höhenflug! Würde ich doch gerne mal erleben, wie sich das Leben aus so einer Großen-Perspektive anfühlt!

Das bringt mich dann zum nächsten Bild das vor meinen Augen auftaucht:

Bei jedem Familientreffen kam sie, die Frage: „Was willst du denn mal werden, wenn du groß bist?“ Ich wollte jemand werden der mit Tieren spricht wie Dr. Dolittle, der ein Urmel findet, ein Mitglied der Gang der roten Zora ist und jemand, der von den Eskimos 100 Worte für Schnee lernt.

Fanden die Erwachsenen irgendwie nicht die richtige Antwort.

Später war ich dann Abenteurer und Forscher, entdeckte neue Tiere und Länder. Bereiste unbekannte Flüsse. Lebte mit den Indianern auf Papua-Neuguinea. Natürlich fand ich den Schatz der Inkas, fand eine vergessene Mayastadt und entschlüsselte die Mayaschriftzeichen. Ich tauchte nach den sieben Weltwundern und fand verschollene Bücher wieder.

Was bin ich noch, wenn ich groß bin? Dann bin ich Lesende, Schreibende, Malende, Spazierengehende, Beobachtende, Fotografierende, Hundestreichlerin, Kochende, Hörende - aber auch eine, die immer ihre Neugierde behält. So entdecke ich dann neue Welten bei mir und anderen.

Ich sitze in einem kleinen Haus am Meer (ein kaltes, raues Meer mit vielen Geschichten) mit vielen Büchern, einer bequemen Couch. Meine kleinen Abenteuer sende ich in die Welt und schaue gespannt zu welche Kreise sie ziehen.

Dann bin ich angekommen.

Moment mal - ich muss gar nicht mehr groß werden! Ich bin ja tatsächlich angekommen! Ein guter Teil davon bin ich ja schon!

Und in gewissem Sinne bin ich wirklich eine Forschende geworden. Ich forsche gemeinsam mit meinen Patienten, wie sie sich mit ihrer Geschichte entwickelt haben und ich tauche nach Schätzen. Gemeinsam finden wir Ressourcen, Stärken und bewahrenswerte Momente. Dabei habe ich auch den ein oder anderen Schriftsteller, Maler, Dichter, Koch, Handarbeiter, Holzwerker, Steinhauer getroffen. Ich entdecke keine neuen Völker, aber neue Lebenswelten, Lebensmodelle und viele Träume. Ich bin kreative Psychotherapeutin. Ich ermögliche meinen Patienten neue Beziehungserfahrungen zu machen, gesehen, gehört, wertgeschätzt und ernst genommen zu werden. Ich ermutige sie zu verrückten Experimenten und lasse oft auch mal die Phantasie spielen. Und ich begebe mich selbst auch auf Expedition wie die Expedition zum Schreiben.

Jetzt könnte ich nur noch eine Brise Zeit, Freiraum und natürlich das Haus am Meer gebrauchen!

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