Kindheitserinnerungen
Schreibe eine Liste von mimdestens 20 Dingen die Du mit deiner Kindheit und Jugend zusammen bringst. Denke nicht zu lange nach. Das war der Impuls den Alexandra Cordes-Guth in ihrer wundervollen Glückskindcommunity gab. Oh man, das ist so lange her. Wie soll ich auf 20 Punkte kommen?
Also auf gehts. Eine Liste mit 20 Punkten vorbereitet und mich zurücktreiben lassen. Es fiel mir dann erstaunlich leicht:
Röstbrot auf dem Kohleofen
Gummitwist auf dem Balkon von Oma Anna
Bohnen schnippeln mit dem Fleischwolf am Küchenschrank
Tausche „Lustiges Taschenbuch“ gegen „Bravo“
Auf dem Fußboden, bäuchlings Lesen und Malen
"Mensch ärgere dich nicht" mit Oma Anna
Balla Eis – das Eis mit der Kaugummikugel drin
Auf Bäume klettern
Barfuß Fahrad fahren
Tauchen statt schwimmen
Schlümpfe sammeln
Klingelstreiche
Ost-Sandmädchen schauen
Salzteig kneten
Im Freibad barfuß am Kiosk für Pommes anstehen
Grüne Soße
Rutschen auf dem Treppengeländer
Singels der Eltern durch hören – in jede Singel den Singelpuck in die Mitte einpassen
Chapeau claque – der Zylinder meines Uropas
Katze und Hund im Bett
Viele dieser Punkte haben mit Oma Anna zu tun.
Oma Anna war meine Uroma. Meine Oma und Mutter waren sehr jung als sie Kinder bekamen, so war sie auch eine junge Uroma. Die grauen, langen Haare (sie gingen bis über den Po) zu einem Dutt gebunden. Immer eine gemusterte Kittelschürze an und ein Lächeln, das den einzig verbliebenen Zahn zeigte.
Mein Vater war im Außendienst und unter der Woche nicht da. Meine Mutter war Vollzeit am Arbeiten, also verbrachte ich meine Nachmittage nach der Schule bei Oma Anna. Ihre Wohnküche war der Mittelpunkt meiner Kindheit.
Unvergesslich das Röstbrot mit Butter. Sie nahm den Laib Brot vor die Brust und schnitt eine dicke Scheibe runter. Kaum zu glauben - sie hat sich dabei nie geschnitten. Den Gasherd hat sie fast nie genutzt. Gekocht wurde auf dem Eisenherd mit Holz und Eierkohlen. Mit einem feuchten Lappen wischte sie die Platte ab, dann wurde grobes Salz auf die Platte gestreut und das Brot darauf gelegt. Einmal wenden. Dann kam die Butter auf das warme Brot, die gleich zerlief. Der erste Bissen, außen kross, innen weich – Hmm – es gab nichts besseres. Das ist der Geruch und Geschmack meiner Kindheit.
Keine moderne Art des Brotröstens (Toaster, Pfanne, Backofen) kommt an diesen Geschmack. Und doch führt mich ein Röstbrot mit Butter und Salz immer in meine Kindheit und zu Oma Anna zurück.
Und noch etwas gab es bei meiner Oma. Wenn ich bei ihr übernachtete durfte ich in der guten Stube das Ostzonen-Sandmännchen schauen. In eine Decke gehüllt (die gute Stube wurde kaum benutzt und deshalb nicht geheizt) saß ich gespannt vor dem großen Röhrenfernseher in Schwarz-Weiß. Ich habe nicht verstanden warum es "Ostzonen"-Sandmännchen hieß, war auch egal. Ich liebte (und liebe) Pittiplatsch und Schnatterinchen, und natürlich Herrn Fuchs und Frau Elster!
Welche Kindheitserinnerungen kommen Dir in den Sinn?
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