Dein Alien
Es Klingelt! Du zuckst zusammen. Seit eineinhalb Stunden wartest du darauf. Du hast deine Runden gedreht um rechtzeitig aus der Tür zu kommen. Doch das Alien in dir verlangt jetzt noch eine Runde.
Fenster, Herd, Steckdosen….
Es klingelt und klingelt und klingelt.
Endlich stehst du vor der Tür. Schließen, Klinke drücken, nochmal auf und zu schließen, Klinke drücken, rütteln. Und noch mal von vorn. Erst wenn du es ohne Ablenkung schafft, kannst du endlich gehen. Noch eine quälende Runde und dann kannst du gehen.
Die anderen und der Fahrer schauen dich an. „Was dauert das so lang?
Du zuckst zusammen. Lügst. „Ich konnte meinen Schlüssel nicht finden.“
In der Klinik angekommen, fühlst du sich verlassen, fremd, weit entfernt von den anderen. Wie sollst du denn deinen Alien erklären. Lieber weiter Lügen?
„Gehen Sie nach Afrika, da gibt es keine Steckdosen“ war die Reaktion deines Hausarztes.
Das was du tust mutet verrückt an, aber du bist nicht verrückt.
Dir gegenüber eine Therapeutin. Offener Blick. „Haben Sie wirklich ihren Schlüssel gesucht?“ Du überlegst. Schwankst. „Nein, ich musste kontrollieren.“ Jetzt ist es heraus. Du hältst die Luft an. Und dann passiert etwas, was du nicht erwartet hast.
„Schön, dass Sie es geschafft haben her zu kommen. Wann können Sie den Kreislauf des Kontrollierens abschließen? Gibt es ein Zahlenritual? Einen Abschlußhacken?“ Fragen die zeigen, dass die Therapeutin versteht wie dein Alien tickt. Erstaunt schaust du auf.
„Wieso..., woher...kenne Sie meinen Alien?“
„Sie sind nicht alleine und ihr Zwang hat seine Logik und die verstehe ich.“ Auf einmal- verstanden. Logik, nicht verrückt, nicht mehr fremd.
Mit einem Seufzen lässt du dich zurück in den Sessel sinken.
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