Ich schreibe (ein Buch), weil es mir Spaß macht
Tja, ich lese diese Überschrift und stocke. Ja ich schreibe gerne und intensiver seit vier Jahren. Ja, und ich habe die Idee ein Buch zu schreiben, weil es sich als der nächste logische Schritt anfühlt. Aber die Idee von einem Buch habe ich schon länger, doch es geht nicht weiter. Selbst dieser Beitrag spukt mir schon seit Wochen durch den Kopf seitdem ich den Aufruf zur Blogparade "Ich schreibe (ein Buch) weil,..." von Stephanie K. Braun gelesen habe. Er geht mit mir spazieren und ...nichtsweiter.
Heute ist der letzte Tag und auch schon 20 Uhr. Ich berichte meinem Lieblingsmenschen wehmütig, dass die Blogparade von Stephanie K. Braun abläuft und ich nichts geschrieben habe. „Schreib doch jetzt noch.“
Hmm, so auf den letzten Drücker, so kurz vor Ablauf? Dann denke ich an Anna Koschinskis Blognacht. Ein paar Stunden zu einem Impuls und ein fertiger Artikel. Okay, ich versetze mich in die Blognacht und schreibe.
Wenn mich jemand vor ein paar Jahren gefragt hätte, ob ich schreibe, hätte ich verneint. Als ich mich vor über vier Jahren in eine teilweise Selbständigkeit als Psychotherapeutin begeben habe, war die Überlegung, potentiellen Patienten mich und meine Art zu arbeiten und mein therapeutisches Selbstverständnis vorzustellen, um ihnen ein Gefühl dafür zu geben ob es für eine Therapie passen könnte. Aber wie?
Wieder mein Lieblingsmensch: „Schreib einen Blog.“ Aha und wie geht das? Das war mein Einstieg ins Schreiben. Zuerst sprang der innerer Kritiker an und zeterte lauthals vor sich hin: „Du willst schreiben und es auch noch veröffentlichen? Mit deiner Lese-Rechtschreib-Schwäche und deinem seltsamen Stil? Da gibt es doch viel Bessere. Außerdem, hast Du mal geschaut wie viele schreibende Psychotherapeuten es gibt, die auch Blogs haben? Also, ich weiß ja nicht.“
Ich habe trotzdem angefangen, zaghaft. Und gleichzeitig habe ich mich intensiver mit LinkedIn beschäftigt. Auch hier keinen wirklichen Plan. Der Gamechanger kam, als ich mich mit Stephanie vernetzte und sie vom 28TageContent von Anna Koschinski erzählte. Hört sich so an, als ob ich das gerade gut gebrauchen kann. Dann habe ich mich angemeldet. Und….schrumpfte in mich zusammen als ich hörte, dass andere ihr zweites Buch schreiben, schon eins geschrieben haben, seit Jahren bloggen...Ohje…
Aber die tolle Atmosphäre und der wertschätzende Umgang haben es mir leicht gemacht mich zu trauen. Jetzt habe ich den Schreibvirus.
Mir ist im Rückblick aufgefallen, dass ich schon lange schreibe. Schon als Jugendliche habe ich Geschichten und Gedichte geschrieben (einige habe ich auch noch gefunden). In meiner Arbeit als Psychotherapeutin spielt Schreiben eine große Rolle auch als Methode für die Patienten.
Ja, ich schreibe und ja es macht mir Spaß!
Interessanterweise habe ich in den letzten Jahren viele Rückmeldung bekommen, dass andere meinen Stil und meine Texte mögen. Na, was sagst du dazu Kritiker? „Pff… Zufall, das sagt noch nichts.“ Es sind aber ganz unterschiedliche Menschen in unterschiedlichen Kontexten. „Wie du meinst.“
Ich meine es lohnt sich dran zu bleiben. Ich probiere viel aus. Unterschiedliche Formate des Miteinanderschreibens, intuitives Schreiben, Impulse, Herausforderungen mit Formen wie Elfchen, Rondell, Haiku. Und natürlich lese ich viel.
Da ich in den Therapiestunden oft ressourcenorientiert arbeite, schreibe ich auch darüber. Ein immer wiederkehrendes Thema ist, ein Gegengewicht zu den ganzen negativ Nachrichten und katasthrophalen Gedanknen zu bekommen. Neben einer Reduzierung der Dosis an Nachrichten, ist ein wichtiger Punkt auf die kleinen, netten, lustigen schönen Momente zu schauen. Aus diesem Schwerpunkt und mit einer Anekdote von Stephanie zu singend Müllmännern entstand der #SamstagderkleinenDinge. Seitdem schreibe ich jede Woche seit Januar 2025 eine kleine positive Geschichte auf. So regelmäßig zu schreiben, hat viel bei mir in Bewegung gebracht. Ich gehe bewußter durch den Alltag und nehme mehr von den kleinen Momenten wahr. Ich habe auch wieder angefangen ein wenig zu malen und auch da die Details wahrzunehmen. Und natürlich hat es meinen Schreibvirus weiterbefeuert.
Was vielleicht auch noch dazu führen kann ein Buch zu schreiben.
Denn, wenn ich schreibe fühle ich mich leicht, frei und auch der innerer Kritiker wird langsam zugänglicher. Allein dafür schreibe ich weiter, noch nichts hat bisher so gut funktioniert. Wenn dann das was ich schreibe auch den ein oder anderen Leser berührt oder zum Nachdenken bringt, dann hat sich das Schreiben doppelt gelohnt.
Wow, die Zeit der Blognacht ist um und dieser Artikel fertig. Ohne großen Feinschliff, aber aus dem Herzen heraus, intuitiv, ohne so viel nachzudenken. Eine spannende Erfahrung.
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